Zum Hauptinhalt springen

MedienmitteilungVeröffentlicht am 1. Oktober 2026

Schenkung des Nachlasses von Jean Anouilh: Ein bedeutender Dramatiker des 20. Jahrhunderts hält Einzug ins Schweizerische Literaturarchiv

Bern, 01.10.2026 — Im Frühjahr 2026 übergab Anouk Anouilh de Mestral den Nachlass ihres Vaters dem Schweizerischen Literaturarchiv, das zur Schweizerischen Nationalbibliothek gehört.

Jean Anouilh mit seiner jüngsten Tochter Anouk Anouilh de Mestral, um 1974

Ein herausragendes Werk

Der französische Autor Jean Anouilh (1910–1987) lebte über zwanzig Jahre in der Schweiz, deren «Qualität des Seelenfriedens» er schätzte. Viele seiner Theaterstücke schrieb oder überarbeitete er an seinen verschiedenen Schweizer Wohnorten.

Sein 1932 begonnenes Werk fasste er in umfangreichen Bänden mit kontrastierenden Titeln zusammen, zum Beispiel Pièces roses, Pièces noires oder Pièces grinçantes. Anouilh vermischte sowohl klassische wie auch moderne Traditionen und bediente sich dabei auch des «Boulevard»- Repertoires. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen Léocadia (1940), Antigone (1944) und Becket oder Die Ehre Gottes (Becket ou l’Honneur de Dieu, 1959). Anouilh verfasste zudem Drehbücher und Filmdialoge, schrieb Fabeln (Fables, 1962) sowie Libretti und übersetzte Stücke von Shakespeare und Kleist.

Eine wertvolle Quelle für die Geschichte des Theaters

Jean Anouilhs Nachlass umfasst 80 Schachteln und konzentriert sich vor allem auf seine Jahre in der Schweiz. Von Majestäten (La Foire d’empoigne, 1962) bis zu Der Nabel (Le Nombril, 1981) bietet das Archiv einen einzigartigen Einblick in Anouilhs schriftstellerisches Schaffen. Für die meisten Stücke dieser Zeit sind auch Manuskripte, Typoskripte sowie Anweisungen für die Inszenierung erhalten geblieben und dokumentieren die Arbeit des Dramatikers. Seine Korrespondenz mit Persönlichkeiten aus Theater und Geisteswissenschaften umfasst zudem rund fünfzig Ordner.

Der Nachlass von Jean Anouilh ist von grosser Bedeutung für die Geschichte des europäischen Theaters und ergänzt die Bestände bedeutender Autorinnen und Autoren wie Hermann Hesse, Patricia Highsmith oder Rainer Maria Rilke, die ebenfalls in der Schweiz lebten.

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) gehört zur Schweizerischen Nationalbibliothek und wurde 1991 auf Anstoss von Friedrich Dürrenmatt gegründet. Es betreut über 400 literarische Nachlässe, Archive und Autorenbibliotheken des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Schweizerische Nationalbibliothek (NB) sammelt Helvetica – Texte, Bilder und Töne der Schweiz – und sichert mit ihren Sammlungen das kollektive Gedächtnis der Schweiz. In Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ermöglicht sie einen breiten Zugang zum kulturellen Erbe des Landes. Als zentrale Gedächtnisinstitution schlägt die Nationalbibliothek eine Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Sie spiegelt dabei die Vielfalt sowie die Mehrsprachigkeit des Landes und fördert Gemeinschaft und Innovation. Die Schweizerische Nationalbibliothek ist eine Institution des Bundesamts für Kultur (BAK).