Erste Methan-Pyrolyse-Anlage in Zug eingeweiht: Meilenstein für eine klimaneutrale Industrie
Zug, 30.11.2025 — Der Verein zur Dekarbonisierung der Industrie (VZDI) weihte heute gemeinsam mit Partnern eine einzigartige Methan-Pyrolyse-Anlage auf dem Produktionsareal von V-ZUG ein. Die innovative Anlage ist das Ergebnis einer visionären Zusammenarbeit von 16 führenden Unternehmen und der Empa, unterstützt durch den Kanton Zug. Sie wurde mit Investitionen von über CHF 8 Millionen realisiert und markiert einen bedeutenden Schritt Richtung Netto-Null-Ziele der Schweizer Industrie bis 2050.

Die Methan-Pyrolyse ist eine innovative Technologie, bei der Methan (CH₄), der Hauptbestandteil von Erdgas und Biogas in einem mikrowellengenerierten Plasma aufgespalten wird. Dabei entstehen Wasserstoff (H₂) und fester Kohlenstoff (C(s)). Auf diese Weise kann Methan energetisch genutzt werden, ohne dass dessen Kohlenstoffanteil in Form von CO2 als Treibhausgas in die Atmosphäre gelangt. Der dabei entstehende (feste) Kohlenstoff kann zudem als Rohstoff wie Carbon Black bei der Herstellung von Reifen, für Batterien oder in Kleb- und Dichtstoffen eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, diesen Kohlenstoff als CO2-Senke in Beton oder Asphalt zu integrieren.
Die nun in Zug eingeweihte industrielle Pilot-Anlage wird jährlich rund 240 Tonnen CO2 einsparen und 22 Tonnen Wasserstoff liefern. Der Wasserstoff aus der Pilotanlage wird direkt als klimafreundlicher Energieträger im Emaillierungsofen der V-ZUG eingesetzt und substituiert so fossiles Erdgas. Dadurch gelingt es der V-ZUG, die Emaillierungs-Anlage als letzten verbliebenen CO2-Emittenten schrittweise zu dekarbonisieren.
Projektpartner und Förderung
Das Projekt wurde durch den VZDI initiiert und koordiniert. Zu den zentralen Partnern zählen die Empa als Forschungspartner, die Unternehmen Accelleron, AVAG, AMAG, Holcim, Metall Zug, Partners Group, Sakowin, SHL Medical, Siemens, Sika, Sulzer, Swiss Safety Center, Tech Cluster Zug, V-ZUG, VZ Depotbank und die WWZ sowie der Kanton Zug als politischer Unterstützer. Die Partner bringen sowohl technische Expertise als auch finanzielle Mittel ein, um einen nachhaltigen Wandel in der Schweizer Industrie voranzutreiben. «Für diesen Ansatz spricht, dass keine neue Infrastrukturen erforderlich sind und der Ansatz auch weltweit rasch umsetzbar ist», sagt Christian Bach von der Empa als Mitinitiant des Projekts.

Die Vision geht aber noch weiter: Empa-Forschende um Bach haben eine neuartige, lastflexible Methanisierungstechnologie entwickelt und vor kurzem in einer Pilotanlage an der Empa, «move-MEGA», realisiert. Kombiniert man die Methanisierung in Solar-betriebenen Grossanlagen, beispielsweise in Wüstenregionen, mit dem Transport des Gases über die bestehende Infrastruktur und der Methan-Pyrolyse direkt am Zielort für industrielle Hochtemperaturanwendungen, lassen sich so negative CO2-Emissionen realisieren – ganz ohne neue Transportinfrastrukturen.
Nachhaltigkeit und Ausblick
Die Methan-Pyrolyse-Anlage ist das Herzstück einer umfassenden Strategie des VZDI, ein zirkuläres Ökosystem für die emissionsfreie Nutzung von Methan zu schaffen. Ziel ist es, zusätzlich zur Wasserstoffproduktion den Einsatz von erneuerbarem Methan und die Realisierung negativer Emissionen zu ermöglichen. Kooperationsprojekte zum Aufbau eines globalen Ökosystems, das wirtschaftlich selbsttragend ist und zur Dekarbonisierung der Atmosphäre beiträgt, sind dank der engen Zusammenarbeit der Akteure aus Wissenschaft, Industrie und Politik ebenfalls in Entwicklung.
Informationen
Andreas Bittig
Verein zur Dekarbonisierung der Industrie (VZDI)
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Christian Bach
Empa, Chemische Energieträger und Fahrzeugsysteme
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