OSZE-Konferenz in Zug: Schweiz setzt auf Prävention, Dialog und Zusammenarbeit zur Verhinderung von Eskalationen nach Cybervorfällen
Zug, 29.09.2026 — Im Rahmen ihres diesjährigen Vorsitzes der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) brachte die Schweiz am 29. September 2026 hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Diplomatie und Cybersicherheit zusammen, um über Wege zur Verhinderung von Eskalationen nach Cybervorfällen zu diskutieren. Bundesrat Ignazio Cassis, amtierender Vorsitzender der OSZE und Vorsteher des EDA, betonte dabei die Rolle des Dialogs; Bundesrat Martin Pfister, Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), unterstrich die Bedeutung präventiver Massnahmen. Die zweitägige Konferenz in Zug zum Thema «Deeskalation im Cyberraum: Mediation und präventive Diplomatie» bildet die letzte thematische Konferenz vor dem OSZE-Ministerratstreffen am 3. und 4. Dezember 2026 in Lugano.
Der Missbrauch von Informations- und Kommunikationstechnologien stellt eine wachsende Herausforderung für die internationale Sicherheit dar. Cybervorfälle können das Vertrauen zwischen Staaten beeinträchtigen und das Risiko von Fehlkalkulationen und Eskalationen erhöhen. Auch im Rahmen ihres OSZE-Vorsitzes setzt sich die Schweiz für einen sicheren, stabilen und verantwortungsvoll genutzten Cyberraum ein. Im Mittelpunkt der Diskussionen des ersten Konferenztages standen drei Ansätze zur Prävention und Bewältigung von Cyberkrisen: präventive Diplomatie, Cybermediation und die Einbindung nichtstaatlicher Akteure.
Präventive Diplomatie: frühzeitig kommunizieren und handeln
Frühe diplomatische Kontakte, rasch etablierte Kommunikationskanäle und die vertrauensbildenden Massnahmen der OSZE können dazu beitragen, Spannungen frühzeitig zu erkennen. Bundesrat Martin Pfister betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung von Vertrauen, Dialog und vorausschauendem Handeln für die Stabilität im Cyberraum. «Wir können nicht jeden Cybervorfall verhindern. Aber wir können gemeinsam daran arbeiten, zu verhindern, dass Cybervorfälle zu grösseren Krisen eskalieren», erklärte er. In der anschliessenden Keynote unterstrich der Direktor des Bundesamtes für Cybersicherheit (BACS), Florian Schütz, dass gerade in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld der Austausch, gemeinsame Regeln und internationale Zusammenarbeit entscheidend sind, um gemeinsam Verantwortung für einen sicheren und verantwortungsvoll genutzten Cyberraum übernehmen zu können.
Cybermediation: Dialog als Instrument der Deeskalation
Vertrauensvolle Kommunikationskanäle und Mediation, auch über räumliche Distanzen hinweg, können dazu beitragen, Missverständnisse abzubauen und Krisensituationen zu entschärfen. Die Teilnehmenden diskutierten, wie bestehende Instrumente der Konfliktprävention auf den Cyberraum übertragen und weiterentwickelt werden können. Bundesrat Ignazio Cassis, amtierender Vorsitzender der OSZE, hob in seiner Abschlussrede hervor, dass die Herausforderungen im Cyberraum nicht nur technologischer, sondern auch diplomatischer und menschlicher Natur sind: «Technologie kann uns helfen, Bedrohungen zu erkennen. Künstliche Intelligenz kann uns dabei unterstützen, sie zu analysieren. Doch eines können sie uns nicht abnehmen: zu erkennen, wann wir das Gespräch suchen müssen, statt Vergeltung zu üben, und wann Deeskalation wichtiger ist als Eskalation. Diese Verantwortung bleibt bei uns. Und hier ist die OSZE von zentraler Bedeutung.»
Nichtstaatliche Akteure als wichtige Partner
Auch nichtstaatliche Akteure – darunter die Privatwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft – leisten einen wichtigen Beitrag zur Prävention und Bewältigung von Cyberkrisen. Aufgrund ihres Fachwissens und ihrer Nähe zu technologischen Entwicklungen können sie Risiken frühzeitig erkennen und die Lagebeurteilung unterstützen. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung eines strukturierten Austauschs zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren. So kann technisches Fachwissen gezielt in diplomatische und politische Prozesse einfliessen und der Umgang mit neuen Technologien, darunter künstliche Intelligenz, weiterentwickelt werden. Die Verantwortung für politische Entscheidungen bleibt dabei bei den staatlichen Akteuren.
Zug als Innovations- und Technologiestandort
Der Austragungsort Zug liegt in der Forschungs- und Innovationsregion Zürich-Zug, die Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Start-ups für die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien vereint – unter anderem in den Bereichen Cybersicherheit, künstliche Intelligenz sowie digitale Informations- und Kommunikationssysteme. Am zweiten Konferenztag erhalten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in dieses Umfeld. Besuche bei Forschungs- und Technologieinstitutionen schlagen dabei die Brücke zwischen den Diskussionen des ersten Konferenztages und konkreten Beispielen aus Forschung, Entwicklung und Innovation in der Schweiz.
An der Konferenz haben rund 120 Personen aus 48 Ländern teilgenommen. Das EDA dankt dem Kanton Zug, der Zuger Polizei sowie den beteiligten Bundesbehörden für die reibungslose Durchführung der Konferenz.
Rede von Bundesrat Ignazio Cassis, amtierender Vorsitzender der OSZE (Englisch)
Rede von Bundesrat Martin Pfister (Englisch)
