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MedienmitteilungVeröffentlicht am 18. Juni 2026

Konjunkturprognose: Iran-Krise trübt die Aussichten

Bern, 18.06.2026 — Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes senkt ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz leicht. Für das Jahr 2026 prognostiziert sie ein deutlich unterdurchschnittliches Wachstum von 0,9 %, gefolgt von 1,6 % im Jahr 2027 (Prognose von März: 1,0 % respektive 1,7 %). [1] Die Krise im Nahen und im Mittleren Osten führt zu höheren Energiepreisen und dämpft die Weltwirtschaft. Die Unsicherheit bleibt hoch.

Im 1. Quartal 2026 wuchs das BIP der Schweiz ähnlich stark wie im historischen Durchschnitt. Das verarbeitende Gewerbe stützte das Wachstum massgeblich, während sich die Binnennachfrage schwach entwickelte. Die bisher verfügbaren Daten und Umfragen deuten für das laufende 2. Quartal auf ein erneutes Wachstum des BIP.

Mit der Krise im Nahen und im Mittleren Osten sind die Erdölpreise stark angestiegen. Entsprechend erhöht die Expertengruppe ihre technische Annahme für die durchschnittlichen Erdölpreise im laufenden und im kommenden Jahr. Die höheren Energiepreise lassen international höhere Inflationsraten sowie eine restriktivere Geldpolitik erwarten, insbesondere in den europäischen Handelspartnerländern, und trüben die globalen Konjunkturaussichten.

Auch in der Schweiz ist eine etwas höhere Inflation als bisher zu erwarten (sowohl 2026 als auch 2027: 0,6 %; Prognose von März: 0,4 % respektive 0,5 %). Dies bremst die privaten Konsumausgaben. Gleichzeitig belastet das verhaltene Wachstum der Weltnachfrage die Schweizer Exportwirtschaft, was sich auch bremsend auf die Investitionstätigkeit auswirkt. Insgesamt senkt die Expertengruppe ihre Wachstumsprognose für die Schweiz leicht. Für das Jahr 2026 erwartet sie ein deutlich unterdurchschnittliches Wachstum des Schweizer BIP von 0,9 % (Prognose von März: 1,0 %).

Im Zuge einer leichten Belebung der Weltnachfrage dürfte sich das Wachstum der Schweizer Wirtschaft im Jahr 2027 auf 1,6 % beschleunigen. Das europäische Ausland, insbesondere Deutschland, dürfte sich tendenziell von der aktuellen Schwächephase erholen, was auch die Schweizer Wirtschaft stützt. Eine steigende Auslastung der Produktionskapazitäten lässt dann die Investitionsdynamik moderat anziehen.

Die schwächere Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt sich am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt 2026 bei 3,1 % zu liegen kommen und 2027 leicht auf 3,0 % zurückgehen (Prognose von März: 3,0 % respektive 2,8 %).

Konjunkturrisiken

Der weitere Verlauf der Krise im Nahen und im Mittleren Osten ist unsicher und birgt Risiken für die weltwirtschaftliche Entwicklung. Eine anhaltende Beeinträchtigung der Energieinfrastruktur oder der Transportwege im Mittleren Osten könnte für eine längere Zeit zu stärkerem Inflationsdruck führen, was eine restriktivere Geldpolitik nötig machen würde. In einem solchen Szenario [2] würde die Weltwirtschaft zusätzlich belastet, und auch für die Schweiz wären ein schwächeres Wachstum und höhere Inflationsraten zu erwarten. Umgekehrt besteht die Möglichkeit, dass sich die Weltwirtschaft günstiger entwickelt als erwartet, etwa aufgrund eines schnellen Rückgangs der Erdölpreise.

Auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit der internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik bleibt bestehen. Die vorliegende Prognose basiert auf der technischen Annahme, dass die US-Importzölle im Wesentlichen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Veränderungen der US-Zolltarife sowie zusätzliche Zölle sind jedoch möglich, etwa nach Auslaufen der aktuellen Regelung in den USA. [3]

Weitere Konjunkturrisiken bestehen fort. Neuerliche Korrekturen an den Finanzmärkten sind möglich. Die Risiken im Zusammenhang mit der globalen Verschuldung, insbesondere von Staaten, bleiben hoch. Bei einer Materialisierung verschiedener Risiken wäre mit weiterem Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zu rechnen.

[1] Die vorliegende Prognose wurde am 8. Juni finalisiert. Weiterführende Informationen finden sich im beiliegenden Kapitel « Konjunkturprognose » der « Konjunkturtendenzen Sommer 2026 » sowie unter www.seco.admin.ch/konjunkturprognosen .

[2] Vgl. die ergänzenden Konjunkturszenarien des SECO im Kapitel « Konjunkturprognose » der « Konjunkturtendenzen Sommer 2026 ».

[3] Die aktuellen Zusatzzölle in Höhe von 10 % basieren auf « Section 122 » des US-Handelsgesetzes und können ohne Verlängerung durch den US-Kongress für maximal 150 Tage aufrechterhalten werden. Diese Frist würde am 24. Juli 2026 ablaufen.