Anzahl der Tierversuche sinkt weiter, Anzahl der Tiere im Schweregrad 3 nimmt zu
Bern, 15.09.2026 — Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz insgesamt 507 863 Tiere in Tierversuchen eingesetzt, gegenüber 522 636 im Vorjahr. Dies entspricht einem Rückgang von rund 3 Prozent und dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 1983. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Tiere, die in stark belastenden Tierversuchen (Schweregrad 3) eingesetzt wurden, auf 29 413. Das sind 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit 26 Jahren. Der Anstieg betraf vor allem Mäuse und war insbesondere durch zusätzliche Tiereinsätze im Schweregrad 3 in der Krebsforschung geprägt.
Tierversuche werden je nach Belastung für die Tiere in vier Schweregrade eingeteilt. Schweregrad 0 umfasst nicht belastende Verfahren wie zum Beispiel Verhaltensstudien. Schweregrad 1 steht für leichte Belastungen. Schweregrad 2 beschreibt eine mittlere Belastung, während Schweregrad 3 stark belastende Eingriffe umfasst.
Im Jahr 2025 wurden gesamthaft 507 863 Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Dies entspricht einer Abnahme von 14 773 Tieren beziehungsweise rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtzahl der eingesetzten Versuchstiere liegt damit auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung der Tierversuchsstatistik im Jahr 1983. Im Jahr 2025 wurden 582 neue Tierversuchsbewilligungen erteilt, sechs weniger als im Vorjahr.
Mehr Tierversuche im Schweregrad 3
Im Schweregrad 3 wurden gegenüber dem Vorjahr 2 033 Tiere mehr eingesetzt. Damit stieg ihre Anzahl auf insgesamt 29 413. Dies ist der höchste Wert seit 26 Jahren. Gleichzeitig erreichte die Anzahl der Tiere im Schweregrad 2 mit rund 142 000 Tieren den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre. Insgesamt nahm die Anzahl der Tiereinsätze in den beiden höchsten Schweregraden gegenüber dem Vorjahr um 8 000 ab, da der Rückgang im Schweregrad 2 die Zunahme im Schweregrad 3 überwog.
Die Zunahme der Tiereinsätze im Schweregrad 3 betraf hauptsächlich Mäuse. Rund 91 Prozent der Tiereinsätze in diesem Schweregrad dienten der Erforschung von Krankheiten beim Menschen. In der Krebsforschung wurden 2025 im Schweregrad 3 insgesamt 1 816 Tiere mehr eingesetzt als im Vorjahr.
Seit 2013 ist insgesamt ein Anstieg der Tiereinsätze im Schweregrad 3 zu beobachten. Parallel dazu nahmen in diesem Schweregrad sowohl die Anzahl der eingesetzten gentechnisch veränderten Tiere als auch die Tiereinsätze zur Erforschung menschlicher Krankheiten - insbesondere in der Krebsforschung sowie in der Erforschung neurologischer und psychischer Erkrankungen - zu. Die Entwicklung der Zahlen wird seit Ende August 2018 zusätzlich durch die überarbeitete BLV-Fachinformation 1.04 «Schweregrade» beeinflusst. Seither werden versuchsbedingte Belastungen tendenziell häufiger einem höheren Schweregrad zugeordnet.
Erforschung menschlicher Krankheiten und Rückgang der Zuchtzahlen
Über alle Schweregrade hinweg entfielen auch 2025 rund 73 Prozent der Tiereinsätze auf die Erforschung von Krankheiten beim Menschen. Die bereits im Zusammenhang mit dem Schweregrad 3 genannten Forschungsbereiche bildeten auch insgesamt die grössten Schwerpunkte und machten zusammen rund ein Drittel aller Tiereinsätze aus.
Die Anzahl der in der Schweiz gezüchteten Tiere in Versuchstierhaltungen ist seit 2021 kontinuierlich zurückgegangen. Im Jahr 2025 wurden rund 843 000 Tiere gezüchtet. Das sind rund 200 000 Tiere weniger als vier Jahre zuvor. Auch bei den importierten Tieren ist im gleichen Zeitraum eine Abnahme zu beobachten, von rund 244 000 im Jahr 2021 auf etwa 187 000 im Jahr 2025.
Tierversuche ersetzen, reduzieren und verbessern
Forschende in der Schweiz sind verpflichtet, das sogenannte 3R-Prinzip umzusetzen: Replace, Reduce und Refine. Tierversuche werden nur bewilligt, wenn keine geeignete Alternativmethode zur Verfügung steht und der erwartete Nutzen die Belastung der Tiere überwiegt. Wo Tierversuche erforderlich sind, müssen die Zahl der Tiere und ihre Belastung auf das unerlässliche Mass beschränkt werden. Der Bund unterstützt diese Entwicklung unter anderem mit dem Nationalen Forschungsprogramm «Advancing 3R - Tiere, Forschung und Gesellschaft» (NFP 79) und mit dem 3R-Kompetenzzentrum.
